Siegfriedspektakel

Mittelalterfest in Xanten

Einmal im Jahr macht sich ein Tross fahrenden Volkes auf in Richtung Xanten. Dann bevölkern tapfere Ritter und holde Damen die grüne Wallgrabenzone des kleinen niederrheinischen Städtchens. Auch niederes Volk mischt sich darunter, und ein buntes Treiben mit Händlern, Gauklern, Musikanten und Vagabunden erwartet zu Christi Himmelfahrt die Mittelalterfans in Xanten.

Das Xantener Siegfriedspektakel, das 2003 zum ersten Mal veranstaltet wurde, ist mittlerweile zu einer überregional bedeutenden Attraktion geworden. Es beginnt an Christi Himmelfahrt und endet am darauffolgenden Sonntag.

Namensgeber des mittelalterlichen Festivals ist Siegfried. Er wurde laut Nibelungenlied in Xanten geboren und ist landläufig bekannt als Drachentöter. Seine Ermordung durch Hagen von Tronje wurde von seiner Frau Kriemhild grausam gerächt. Nie gefunden wurde der Nibelungenschatz, den Kriemhild nach Siegfrieds Tod im Rhein versenkte. Das Nibelungenlied, dessen Stoff viel älter ist, wurde im Mittelalter niedergeschrieben. Deshalb trägt die Gesellschaft des Nibelungenlieds mittelalterliche Züge.

Das Programm des Spektakels nimmt Bezug auf den Sohn der Stadt, sei es wie in früheren Jahren mit einem Drachenkampf, einem Puppenspiel oder einem Turnier, an dem der Königssohn Siegfried teilnimmt.

Bei den Zuschauern außerordentlich beliebt ist Ritterturnier zu Pferde, das mit viel Kampfgeist, Mut und Akrobatik ausgefochten wird. Besonders stimmungsvoll sind die Abendveranstaltungen, wenn die Reiter im Fackelschein über den Turnierplatz . Wenn sich zu später Stunde die Musikanten zum Tavernenspiel treffen, möchte niemand nach Hause gehen. Auch während des Tages treten viele Bands und Musiker auf, die die Lieder des Mittelalters wieder zum Leben erwecken. Besonders faszinierend ist es, zu sehen und vor allem zu hören, wie die Musiker auf fast vergessenen Instrumenten wie Cistern, Langhalsfanfare und Schalmei spielen. Die Musiker, die wenig Respekt vor den Zuhörern zeigen und das Publikum auf derbe Art in ihr Spiel einbeziehen, ernten oftmals den meisten Applaus. Neben Spielleuten und Folkbands mit modernen Instrumenten, spielen in Xanten auch Bands, die sich mit einer mystischen Aura umgeben und deren Musik, Texte und Kleidung von Naturreligionen und manchmal auch dunklen Mächten inspiriert ist.

Die Künstler und Markthändler werden von der Agentur Sündenfrei engagiert, die sich bemüht, das Xantener Spektakel auf das Flair Xantens und auf die Atmosphäre der grünen Wallanlage abzustimmen. Die Lokalität wird dominiert von zwei mittelalterlichen Gebäuden, dem Klever Tor und der Kriemhildmühle.

Das Klever Tor aus dem 14. Jahrhundert gehörte zur alten Stadtbefestigung. Zwei Rundtürme, die sogenannten Eulentürme flankieren die erste Toröffnung von der stadtabgewandten Seite. Eine brückenartige Zufahrt, die sich über das Festivalgelände spannt, führte in früherer Zeit über den Stadtgraben zum Haupttor. Das Gebäude wurde in der Vergangenheit vielfältig genutzt. Heute ist es ein außergewöhnliches Ferienhaus. Die Apartments werden von der Tourist Information Xanten vermietet.

Die Kriemhildmühle ist auf der Stadtmauer gebaut. In früheren Zeiten war sie Wohnung des Nachtwächters, Gartenhaus und Ölmühle. Zu Spektakelzeiten wird sie von vielen Gästen bestiegen und als Aussichtplattform über das bunte Treiben genutzt. Vor der Mühle erwarten rustikale Holzbänke den Gast, der sich zu einem Kaffee und Kuchen niederlassen kann. Denn die Mühle, die täglich betrieben wird, ist auch eine Backstube. In kleinen Seminaren kann man lernen, wie das Vollkornmehl aus dem Getreide gewonnen, zu Teig verarbeitet und dann gebacken wird.

Zu besonderen Atmosphäre des Marktes trägt sicher dazu bei, dass viele Besucher in mittelalterlichen und an vergangene Zeiten angelehnte Gewandung zum Spektakel kommen. Schön anzuschauen sind auch die zahlreichen Ritter und Wikinger, die ihre Zelte in Xanten aufschlagen. Es handelt sich dabei um historisch interessierte Zeitgenossen, die versuchen, mittelalterliches Leben möglichst originalgetreu nachzustellen.